Presskits
Interview mit JCR
Herr Recalde, schön dass Sie heute hierher gefunden haben. Wie fühlen Sie sich?
Hervorragend, wie könnte es mir anders gehen, wenn ich zu solch einem netten Interview mit einer derart charmanten und kompetenten Reporterin wie Ihnen geladen werde?
Recalde Sisters Studios. Wer oder was sind Sie?
Wir sind eine Filmschmiede mitten im Herzen des malerischen Feiteltals in Oberösterreich (das ist in der Schweiz). Ich bin Juan Carlos Recalde – Student der Theaterwissenschaft in Wien und Ex-Animateur. Sergio ist mein jüngerer Bruder und arbeitet derzeit als Animateur in Gran Canaria. Javier, mein älterer Bruder ist zurzeit freiwilliger Mitarbeiter bei einem Kinderhilfswerk in Afrika. Auch er war mal Animateur.
Unsere Leser würden gerne erfahren, wo die Wurzeln Ihres filmischen Schaffens liegen. Why are you creative?
Hmmm … (10 min. Pause) … ehhm …. (weitere 10 min. Pause) … Gute Frage! Die Gründe werden in verschiedensten Bereichen liegen. Ein Teil ist mit Sicherheit auf die Stofftierspielerei in unseren Kindertagen zurückzuführen. Mein Bruder und ich besaßen über 100 Stofftiere und wir entwickelten ein komplettes Sozialnetz. Jedes Stofftier hatte einen Namen, eine Familie, einen Beruf, eine Lieblingsspeise, einen besten Freund, einen Erzfeind, usw. usw. Wir verbrachten unzählige Stunden mit dem Erfinden neuer Geschichten innerhalb unseres Stofftierstaats. Da gab es Politiker, Polizisten, Sekretärinnen, Alkoholiker, Supereiche, Arbeitslose, Jugendbanden, Bergsteiger, Riesenbabys, Fleischhacker, Feiertage, Wahlkämpfe, Wettkämpfe … merkwürdigerweise, aber keine Animateure. Egal. Die vielen Stunden, die wir so verbrachten waren sicherlich eine hervorragende Basis für den kreativen Tatendrang.
Welche Filme beeinflussten Sie am stärksten?
Alles, was man so in Kindertagen sieht. Indiana Jones, Rambo, Spaceballs. Vermutlich ist jedoch der Film, der mich am meisten beeindruckte Ace Ventura mit Jim Carrey, aus dem einfachen Grund, dass ich genau so sein wollte wie er – und da es keine Filmprojekte gab, bei denen ich als Carrey-Double fungieren konnte, musste ich meine eigenen Filme drehen. Und jetzt haben wir den Salat.
Ihre bisherige filmische Laufbahn, in exakt vier Schritten.
Puhh … anspruchsvolle Frage – hoffentlich werde ich Sie nicht enttäuschen.
Ich bin mir sicher, das werden Sie nicht.
Nun gut. Schritt 1: Das VHS Zeitalter. Die filmische Steinzeit. Bewaffnet mit der hauseigenen VHS Kamera begannen wir Kurzfilme unterschiedlichster Genres zu drehen. Die Qualität war unter Null, die Produktionszeit dafür unter 3 Stunden. Das heißt im betriebswirtschaftlichen Fachjargon: Idea to market – 3 hours. Die erste und beste Grundschule für sämtliches weitere Filmschaffen.
Schritt 2: Die Digitale Revolution. Als wir unsere erste Digital Kamera bekamen, begannen wir die Vorzüge der digitalen Technik kennenzulernen. Wir begannen am Computer zu schneiden und Musik hinter unsere Filme zu legen (bisher machten wir das beim Dreh vor Ort mit einem Kassettenradio). Wir drehten weitere (großteils grottenschlechte) Kurzfilme und erlernten so unser Handwerk.
Schritt 3: Der 1. „richtige“ Film. Nach dutzenden laienhaften Produktionen musste die Qualität sich früher oder später zwangsweise steigern. Nachdem wir erste Erfolge auf Festivals verbuchten, begannen wir ein stärkeres Selbstvertrauen aufzubauen und uns der Herausforderung zu stellen, endlich einen Langfilm zu fertigen. HEXXENHAMMER ist der Beweis, dass man auch ohne Budget Kinobesucher zum Schreien bringen kann.
Schritt 4: Let’s make a living. Der größenwahnsinnige Versuch „richtige“ Filme für ein „richtiges“ Publikum, aber vollends ohne „richtige“ Schauspieler, Equipment oder Budget zu produzieren, die noch dazu so gut sind, dass man von ihnen Leben kann. Vermutlich werden wir den Rest unserer Leben in dieser Phase vergammeln.
Eine sehr bewegende Schilderung des kreativen Leidensweges. Könnten Sie das mit einem Zitat eines bekannten, am liebsten wäre mir ein deutscher Philosoph des 19. Jahrhunderts, untermauern?
Mit größter Freude. Ich würde es gerne mit Nietzsche versuchen, der folgende Zeilen niederschrieb: „Die Nothstände aller Art überhaupt als Einwand, als Etwas, das man abschaffen muss, betrachten, ist die niaiserie par excellence, ins Grosse gerechnet, ein wahres Unheil in seinen Folgen …, beinahe so dumm, als es der Wille wäre, das schlechte Wetter abzuschaffen.“
Das trifft den Nagel auf den Kopf, ich bin beeindruckt von Ihrem hohen Grad an Allgemeinbildung.
Ach, Sie bringen mich ja in Verlegenheit – ich bin doch derart bescheidenen Charakters.
Welches sind Ihre beruflichen und menschlichen Vorbilder?
Beruflich mit Sicherheit Michel Gondry, Baz Luhrmann, die Monty Pythons, James Gunn, Robert Rodriguez und Trey Parker. Alles, Kreative Querdenker erster Güte. Menschliche Vorbilder? Vermutlich jeder, der seinen Traum ernsthaft verfolgt, sich seinen innersten Ängsten stellt und versucht das Beste aus sich und seinem Leben zu machen. Und vor allem Bon Jovi. Eine Million-Trillion-Billiarde Fans können nicht falsch liegen.
Was sind Ihre nächsten Projekte?
Ein 90-minütiges Musical im Führerbunker. Der Titel: „Bunkerführer“. Gleichzeitig versuchen wir und mit „wir“, meine ich „ich“, so viele Kurzfilme wie möglich zu produzieren.
Ich danke Ihnen vielmals für Ihre Zeit – haben Sie vielleicht noch eine Lebensweisheit für unsere Leser griffbereit?
Habt keine Angst davor etwas Neues zu probieren. Vergesst nicht: die Arche wurde von Amateuren gebaut und die Titanic von Profis.
Würden Sie mich heiraten?
Selbstverständlich.
Wo geht’s zum nächsten Standesamt?
Zufällig weiß ich, dass am Lazarettgürtel 55 kürzlich ein neues Standesamt eröffnet wurde.
Fahren wir mit dem Auto?
Nein, lassen Sie uns zu Fuß gehen. Auf dem Weg können wir uns noch etwas besser kennen lernen.
Ach, Sie Romantiker!
HAPPY END
Zurück